Rund 70 Prozent der Biozuckerrüben werden gepflanzt. Das bringt Wachstumsvorsprung und Konkurrenzstärke gegenüber Unkraut. Hier im Einsatz ist der Pflanzroboter, den die Westschweizer Produzent*innengruppe Gireb angeschafft hat. Foto: Adrian Krebs
Schweizer Biobäuerinnen und -bauern produzieren noch nicht lange im grösseren Stil Zuckerrüben, die Entwicklung ist aber beachtlich. 2014 lag die Produktion bei lediglich 214 Tonnen von 6 Hektaren. Seither sind Fläche und Produktion markant ausgedehnt worden. 2020 waren es bereits 4627 Tonnen (151 Hektaren) und 2024 beachtliche 12'470 Tonnen (314 Hektaren). Im laufenden Jahr wird die Fläche um 76 Hektare oder 24,2 Prozent auf 390 Hektaren erhöht.
Miserable Erträge im Jahr 2024
Die Nachfrage vermag die heimische Biorübenproduktion aber bei weitem nicht zu decken. Von den 92'063 Tonnen Biorüben, die 2024 in der Schweiz verarbeitet worden sind, stammen 79'593 Tonnen aus Deutschland, das entspricht einem Importanteil von 86,5 Prozent. Dieser lag allerdings auch schon deutlich höher, 2014 stammten noch über 99 Prozent der Biorüben aus Deutschland, wie die Statistiken der Schweizer Zucker AG zeigen.
Die Bemühungen für eine höhere Inlandproduktion zeitigen punkto Fläche übrigens durchaus Erfolg, aber im Jahr 2024 erhielten sie einen Dämpfer in Sachen Ertrag. Nachdem 2022 und 2023 im Schnitt je 56,8 Tonnen pro Hektare geerntet worden waren, ergab das Jahr 2024 miserable 39,7 Tonnen pro Hektare. Kleiner Trost für die Schweizer Bioproduzent*innen: Ein ähnlicher Trend war 2024 auf dem konventionellen Markt zu beobachten. Die Einfuhren von deutschen Rüben in die Schweiz waren mit 31,8 Prozent auf noch nie gesehenem Niveau. Dafür gibt es Gründe: Die Witterungsbedingungen waren mittelmässig bis sehr schlecht und der konventionelle Pflanzenschutz blieb herausfordernd.
Die deutschen Kolleg*innen hatten deutlich höhere Erträge
Allerdings müssen sich die Schweizer Produzent*innen nichtsdestotrotz Gedanken machen über die Gründe für den massiven Ernterückgang. Gleichzeitig haben nämlich die Kolleg*innen in Deutschland – sie sind hauptsächlich in Bayern ansässig – 2024 im Schnitt knapp 60 Tonnen pro Hektare erreicht, obwohl sie ziemlich ähnliches Wetter hatten wie in der Schweiz. In den Vorjahren waren die Erträge jeweils ziemlich identisch gewesen. Milo Stoecklin, Bioberater bei Schweizer Zucker AG relativiert: Im deutschen Produktionsgebiet sei das Klima etwas trockener und die Böden seien etwas leichter.
Ein weiteres Problem stellen die Zuckergehalte dar. Diese sind in der Schweiz generell schwächer als in Deutschland. Letztes Jahr lag der helvetische Schnitt bei sehr bescheidenen 14 Prozent, wobei auch die deutsche Bioproduktion mit 15,1 Prozent Zucker nicht berauschend abschloss. Dasselbe gilt für die konventionelle und die IP-Linie, der Schweizer Durchschnitt erreichte 2024 nur 14,6 Prozent. Unterdessen steigt die Nachfrage nach Biorübenzucker weiter.
Selbstversorgungsgrad ist unter 50 Prozent gefallen
Diese Entwicklungen – gute Nachfrage, schlechte Ernte, tiefe Zuckergehalte – haben dazu geführt, dass die Importe an Biozuckerrüben im vergangenen Jahr deutlich zugenommen haben und zwar von 69'004 auf 79'593 Tonnen (plus 15,3 Prozent). Dadurch hat auch der Inlandanteil abgenommen und zwar von 15,1 auf 13,5 Prozent. Der Selbstversorgungsgrad auf dem gesamten Zuckermarkt ist aufgrund der schlechten Ergebnisse auf unter 50 Prozent gesunken.
Milo Stoecklin, der nur noch bis Ende März für die Schweizer Zucker AG tätig ist, bleibt trotzdem optimistisch für die Schweizer Biorübenproduktion. «2024 war ein Jahr zum Vergessen», sagt der Landwirt, aber grundsätzlich mache er sich keine Sorgen. Die Fläche steige ja und man könne nur hoffen, dass sich auch die Gehalte wieder verbessern, was sowohl vom Wetter wie auch vom Klima abhängig sei. Stoecklin, der auch im Vorstand von Bio Suisse sitzt, baut in Séprais im Kanton Jura in seiner Betriebsgemeinschaft selber jedes Jahr 17 bis 20 Hektaren Biorüben an.
Erfolgsfaktoren: Pflanzung und 4550 Franken Stützung
Einer der Erfolgsfaktoren im Schweizer Biorübenanbau sei das Setzen von Jungpflanzen, da damit ein Wachstumsvorsprung gegenüber dem Unkraut erreicht werden kann. Dies ist umso entscheidender, als dass die Schweizer Biorüben bereits zum Auftakt der Verarbeitungskampagne im September zu roden sind, da sie vor den Importbiorüben und der konventionellen Ware in die Fabrik müssen. Laut Stoecklin beläuft sich die gesetzte Fläche auf rund 70 Prozent des gesamten Anbaus.
Es bestehen aber beim FiBL auch Projekte für die Weiterentwicklung des gesäten Zuckerrübenanbaus. Ziel der Untersuchungen ist, dass die Handarbeitsstunden reduziert werden können. Momentan werden Laser und In-Row Hackgeräte für die Unkrautbekämpfung getestet. Dazu gibt es auch eine Maschinendemo (Infos s. unten).
Der möglicherweise noch grössere Erfolgsfaktor sind die komfortablen Unterstützungsbeiträge im Biozuckeranbau. Diese belaufen sich gemäss Stoecklin auf 4550 Franken pro Hektare. Das sei in etwa gleich viel wie die Kosten für die Pflanzung. Die Stützung setzt sich zusammen aus 2300 Franken Einzelkulturbeitrag, 1200 Franken Biobeitrag, 800 Franken für fungizidfreien Anbau sowie 250 Franken für den Verzicht auf Herbizide.
177 deutsche Landwirt*innen produzieren für die Schweiz
Die Biorüben zum Decken des Schweizer Defizits liefern Produzent*innen aus der in Rottenburg am Neckar in Baden-Württemberg ansässigen bäuerlichen «regionalen Bioland Erzeugergemeinschaft» (rebio). Diese stammen zum Teil auch aus Bayern und sind dankbar für den hohen Importbedarf der Schweizer Nachbar*innen.
Für sie wäre der Absatz in Süddeutschland schwierig, da die Firma Südzucker die Biorübenfläche so stark ausgedehnt hat, dass sie nun aufgrund von Absatzproblemen beim Rübenzucker ihren Anbauer*innen die Fläche drastisch kürzen muss, wie der Anbauverantwortliche von rebio, Michael Baumann, erläutert.
2024 waren es 177 deutsche Bioproduzent*innen die auf einer Fläche von 1312 Hektaren Rüben für die Schweiz produzierten. Sie standen 98 Schweizer Kolleg*innen mit einer Fläche von 314 Hektaren gegenüber. Nun soll diese Zahl wie bereits erwähnt auf 390 Hektare steigen, wobei sich die Zahl der Produzierenden auf in etwa 110 erhöhen dürfte.
Adrian Krebs, FiBL
Weiterführende Informationen
Im Zeitraum zwischen 21. Mai und 4. Juni 2025 (abhängig vom Wetter) findet auf dem Betrieb von Reto Frei in Schafisheim im Kanton Aargau eine Maschinendemo mit dem In-Row-Hackgerät von Ullmanna in Zuckerrüben statt. Details zur Durchführung werden sich zeitnah zum Anlass in der Agenda auf bioaktuell.ch finden lassen.
Infos zum In-Row-Hackgerät (ullmanna.eu)
Zuckerrüben (Rubrik Ackerbau)
Biozuckerrüben (Rubrik Markt)
Zuckerstatistik 2024 (zucker.ch)
Artikel zum tiefen Selbstversorgungsgrad und den Auswirkungen (lid.ch)