Blickpunkt 1 BIOFACH-Messe 2016
Mittwoch, 10. Februar
Sandalen, Wollpullover und wallendes Männerhaar sind rar – noch vor zehn Jahren gehörten sie laut einem Zeitzeugen zur Standardausstattung der Standbetreiber. Zogen damals an der jährlichen Messe für Biolebensmittel noch Anzugträger verwunderte Blicke auf sich, sind sie heute allgegenwärtig. Biolebensmittel sind im breiten Markt angekommen, über 2'400 Aussteller aus der ganzen Welt zeugen vom grossen Trend. Täglich können zudem zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und Foren besucht werden. So hörte man heute in einem Vortrag der Veranstaltungsreihe „Forum Wissenschaft“ die neusten Studien zum Einfluss von Pestiziden auf die Gesundheit des Menschen.

Eine der grossen Bauten hat die Bio-Zentrale. Im Vordergrund ein Hersteller, der unterm Dach dieses Standes seine Produkte ausstellt: Jérôme-Bio-Suppen. (Alle Fotos: © FiBL, Franziska Hämmerli)

Verschiedene Zutaten ergeben 680 Gramm Backmischung, die von Hand in Flaschen abgefüllt wird. Flaschenbrot heisst diese Idee, bei der nur noch Wasser fehlt, um ein Kilo Dinkelbrot herzustellen.

Die Jungs von Antidote bringen in ihrer Kaltpressungstechnick tonnenweise hydraulischen Druck auf, um Obst & Gemüse ohne Erhitzen haltbar zu machen. Denn, wie sie sagen, zerstört die herkömmliche Pasteurisierung per Erhitzung alle wichtigen Vitamine und Enzyme im Saft.
Auswirkungen von Pestiziden auf die Menschliche Gesundheit
Die Forschungsresultate stimmen bedenklich. Die Amerikanierin Gwen Ward von der Organic Trade Association (OTA) präsentierte die Ergebnisse der neusten Studien von 2015 und 2016, die beweisen, dass es sich lohnt, sich biologisch zu ernähren:
- Kommt eine Frau vor der Empfängnis, während einer Schwangerschaft oder
gar erst nach der Geburt eines Kindes mit Pestiziden in Kontakt, kann dies Kinderleukämie verursachen. Wenn werdende Mütter mit Pestiziden in Kontakt kommen, kann dies kognitive Entwicklungsstörungen beim Kind auslösen, zudem wurde ein Zusammenhang zwischen Pestiziden und ADHS gefunden. - Kinder sind allgemein anfälliger auf negative Effekte von Pestiziden, da sie mehr Atmen und einen schnelleren Metabolismus haben.
- Pestizide können die Lungenfunktionen verschlechtern und Asthma auslösen. Kontakt mit Herbiziden steigern das Risiko für Lungenkrebs, Melanome, Magen- und Darmkrebs, Organophospahte das Risiko für Lungenkrebs.
- Pestizide haben einen negativen Einfluss auf die Spermienqualität und verursachen eine Reduktion der Spermienzahl.
Der folgende Redner, Professor Mohammad Reza Ardakani von der „Iran Organic Association“ wies unter anderem darauf hin, dass DDT, als es auf den Markt kam, als völlig ungefährlich galt. Inzwischen weiss man jedoch, dass die geschmacks- und geruchsneutrale Chemikalie hochgiftig und Krebserregend ist – und noch 40 – 50 Jahre später in der Umwelt nachgewiesen werden kann. Ardakani erklärt, dass heute für die Pestizide auf dem Markt ähnliche Argumente wie damals bei DDT ins Feld geführt werden – die jedoch oft ins Reich der Mythen gehörten. Er erwähnte fünf typische und kritsch zu hinterfragende Argumente:
- Pestizide wurden wissenschaftlich getestet, damit die Sicherheit für
den Gebrauch gewährleistet ist. - Pestizid-Rückstände sind zu klein, um Probleme zu verursachen.
- Moderne Pestizide bauen sich in der Umwelt schnell ab.
- Die Aufsichtsbehörden haben alles unter Kontrolle.
- Ohne Pestizide würden wir nicht genug Lebensmittel produzieren - wir
würden verhungern.
Aus Nürnberg: Franziska Hämmerli, FiBL
Blickpunkt 2 BIOFACH-Messe 2016
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.02.2016
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