Für das Thema «Jung und Bio» arbeitete das Bioaktuell Magazin mit den Berufsschulzentren Ebenrain in Sissach BL, Wallierhof in Riedholz SO und Liebegg in Gränichen AG zusammen. Dabei lag der Fokus auf den Vertiefungswochen «Schwerpunkt Biolandbau» im Januar und Februar 2025, in denen angehende Landwirtinnen und Landwirte einen Betrieb besuchten und danach in einem Gespräch ihre Eindrücke und Gedanken dokumentierten.
So beschäftigte sich zum Beispiel die Gruppenarbeit von Jeremias Hofer, Arlette Nebiker und Rebekka Stich mit Andermatt Biocontrol in Grossdietwil LU. Das Thema: Forschung und Entwicklung von biologischen Pflanzenschutzmitteln. Befragt wurde Jeremias Hofer durch Arlette Nebiker und Rebekka Stich. Die Links zu den Gesprächen der anderen Gruppen finden sich am Ende dieser Seite.
Was hat dich an diesem Thema grundsätzlich interessiert?
Jeremias Hofer: Interessiert hat mich vor allem, ob der Biopflanzenschutz besser ist als der konventionelle. Oder wo die grössten Unterschiede liegen und welche Vorteile der Biopflanzenschutz mit sich bringt.
Hast du schon eigene Erfahrungen gemacht mit diesem Thema?
Ich habe einen Mitbewohner, der bei Andermatt Biocontrol arbeitet. Aber eigene Erfahrungen habe ich bisher noch nicht gemacht, nein.
Was fandest Du beim Betriebsbesuch spannend? Gibt es etwas, dass Du gerne einsetzen wollen würdest?
Was ich mitgenommen habe, ist dass die Anwendungen der Pflanzenschutzmittel komplexer sind. Dass man den ganzen Zyklus einer Krankheit verstehen und schauen muss, dass man auch einen guten Einsatz machen kann mit diesen biologischen Pflanzenschutzmitteln.
Und wo auf dem Betrieb kannst Du dir vorstellen, ein Mittel einzusetzen?
Für den Obstbau fand ich das Mittel MADEX spannend. Das könnte ich mir einen Einsatz gut vorstellen.
Welche Aspekte der biologischen Landwirtschaft sind Dir in Bezug auf den Pflanzenschutz wichtig?
Was ja beim Gespräch herausgekommen ist, war, dass sich die Biopflanzenschutzmittel schneller abbauen. Es ist ja nicht so, als hätte es gar keine Schadstoffe drin, aber sie werden eben schneller abgebaut. Und dass die Mittel oft mit lebenden Organismen arbeiten, mit Viren und sonstigen. Diesen Umweltaspekt finde ich wichtig und auch zukunftsträchtig.
Siehst Du neben dem Positiven zum biologischen Pflanzenschutz auch etwas Negatives?
Ja ich denke der Nachteil ist, dass die Anwendung weniger breit ist. Also, die Mittel wirken spezifischer und dadurch müssen sie auch häufiger appliziert werden. Das ist schon ein Nachteil.
Und etwas allgemeiner, wie siehst Du die Stellung von biologischen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft? Also gemeint sind auch die Sachen von Andermatt Biocontrol.
Ich denke, sie sind sicher breit aufgestellt. Biologische Pflanzenschutzmittel haben auch Zukunft, gerade jetzt, wo in der Schweiz immer mehr Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen sind oder auch weniger zugelassen werden. Aber ich glaube, sie haben wahrscheinlich auch zunehmend Probleme mit der Zulassung ihrer Mittel. Das Verfahren ist ja dasselbe, wie bei konventionellen. Es ist aber schwieriger, weil die Mittel ja eben häufig lebende Organismen beinhalten. Ich denke, die Hürden für neue biologische Pflanzenschutzmittel sind recht hoch.
Und wie sieht es preislich aus? Ich meine, lohnt sich das überhaupt, biologische Pflanzenschutzmittel, wenn man die oft häufiger austragen muss?
Ich habe es beim Besuch schon auch so herausgehört, dass es sich auf die Dauer schon lohnen kann. Gerade, wenn bei der Bewertung auch Nachhaltigkeitsaspekte einbezogen werden, denke ich, profitiert man dabei schon.
Was hat Andermatt Biocontrol denn so für verschiedene Pflanzenschutzmittel? Hast Du herausgehört, dass sie irgendwo mehr Wert darauflegen, als bei etwas anderem?
Ja, im Obstbau sind sie recht stark dabei. Und zum Beispiel auch bei den Insektiziden und Fungiziden. Aber Herbizide haben sie kaum welche. Da ist aber auch die Nachfrage klein. Mit mechanischer Bodenbearbeitung bist du ja eigentlich gut dran, da brauchst du keine Herbizide mehr.
Gibt es irgendetwas, was du von diesem Besuch mitnimmst? So als Ansatz für die Zukunft, was noch mehr passieren müsste?
Scheinbar bestehen in der Forschung grosse Lücken. Also in der Literatur sei viel niedergeschrieben, dass für die Praxis aber noch nicht anwendbar ist. Es fehlt vielleicht auch einfach an Geld und Ressourcen, alle diese Möglichkeiten für Biopflanzenschutzmittel zu untersuchen. Das wäre sicher cool, wenn die noch bisschen mehr gefördert werden.
Offen für Zusammenarbeit
Ob mit Schulen oder jungen Biolandwirtinnen und Biolandwirten – das FiBL ist interessiert an Kooperationen zur Erstellung von Podcasts, Merkblättern und anderen Medienformaten. Interessierte melden sich bei Bernadette Oehen.
Weiterführende Informationen
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«Interessant ist, dass der Betrieb neben der Knospe weitere Labels abdeckt»
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