Für das Thema «Jung und Bio» arbeitete das Bioaktuell Magazin mit den Berufsschulzentren Ebenrain in Sissach BL, Wallierhof in Riedholz SO und Liebegg in Gränichen AG zusammen. Dabei lag der Fokus auf den Vertiefungswochen «Schwerpunkt Biolandbau» im Januar und Februar 2025, in denen angehende Landwirtinnen und Landwirte einen Betrieb besuchten und danach in einem Gespräch ihre Eindrücke und Gedanken dokumentierten.
So beschäftigte sich zum Beispiel die Gruppenarbeit von Doris Flükiger, Severine Urech und Leander Dalbert mit Andermatt Biocontrol in Grossdietwil LU. Das Thema: Forschung und Entwicklung von biologischen Pflanzenschutzmitteln. Sie befragen sich im Gespräch gegenseitig. Die Links zu den Gesprächen der anderen Gruppen finden sich am Ende dieser Seite.
Severine Urech: Die erste Frage wäre, was hat dich am Thema Biopflanzenschutzmittel grundsätzlich interessiert?
Severine Urech: Mich hat interessiert, wie sie bei Andermatt Biocontrol arbeiten, was sind ihre Ansätze sind. Worauf zielen sie genau ab? Wer ist die Klientel und wie holen sie auch nicht Biolandwirtinnen und Biolandwirte ab? Wie das geht und ob das möglich ist, fand ich spannend herauszufinden.
Doris Flükiger: Ich habe mir persönlich nicht so viele Gedanken gemacht. Aber ich fands spannend, wir haben einen guten Einblick in das Unternehmen erhalten.
Doris Flükiger: Welche eigenen Erfahrungen hast du mit Biopflanzenschutzmittel schon gemacht?
Severine Urech: Wir haben zu Hause Hühner und Probleme mit Vogelmilben. Die bekämpfen wir mit Raubmilben, also Nützlingen von Andermatt Bioncontrol. Damit sind wir eigentlich recht zufrieden. Am Anfang waren wir auch skeptisch, weil wir nicht genau wussten, was uns erwartet. Es heisst ja, dass man bei einem Problem mit Vogelmilben die Nützlinge in einer gewissen Frist ausbringen muss und dann sieht man das Ergebnis nicht direkt. Da muss man drauf vertrauen, dass es funktioniert.
Doris Flükiger: Ich habe Andermatt Biocontrol eigentlich nicht gekannt und habe somit auch keine Erfahrungen mit ihnen gemacht.
Leander Dalbert: Ich selber habe Erfahrungen bei unserem Betrieb gemacht. Das ist ein Hochstammobstbetrieb, wo wir auch einen halben Hektar Reben bewirtschaften. Da haben wir Schwefel und Tonerde nachher Kupfer ausgebracht.
Severine Urech: Welchen Aspekt des Themas oder welche Ansichten habt ihr beim Besuch besonders spannend gefunden?
Severine Urech: Ich fand es spannend zu sehen, dass die Mitarbeitenden das Gebiet, auf dem sie arbeiten, total leben. Man merkt, dass es für sie nicht nur eine Arbeit ist, sondern wirklich mehr eine Berufung. Und dass sie vollkommen überzeugt sind von dem, was sie machen.
Doris Flükiger: Ich finde es auch cool, dass die Beratenden keine Provision bekommen. Sie gehen nicht aufs Feld und verkaufen und machen Gewinn. Das finde ich richtig gut.
Severine Urech: Was mich auch sehr beeindruckt hat, ist, dass ihr erstes Mittel immer noch auf dem Markt ist. Das MADEX. Und dass es seit bald 40 Jahren funktioniert.
Leander Dalbert: Spannend fand ich dieses wertebasierte Unternehmertum. Dass die Gründer dass Unternehmen aufgebaut haben, es aber nach und nach an die Mitarbeitenden als Miteigentümer abgegeben haben.
Doris Flükiger: Welchen Aspekt von Bio ist dir wichtig in Bezug auf das Thema Biopflanzenschutzmittel?
Leander Dalbert: Ich habe da auch ganz grundsätzliche Fragen. Die amerikanische Mikrobiologin Elaine Ingham sagt, eigentlich hat so gut wie niemand von uns noch mit intakten Ökosystemen zu tun. Also alle Schlüsse über die Wirksamkeit von Schädlingsbekämpfung, ziehen wir aus total degenerierten, kaputten Ökosystemen. Die Natur kennt eigentlich viel komplexere Mechanismen, Schädlingsprobleme auszubalancieren. Und da frage ich mich, ob wir nicht probieren sollten, unsere Anbausysteme als möglichst intakte Ökosysteme zu gestalten, anstatt wieder ein Schädling irgendwie zu isolieren und dann ein spezifisch hochselektives Bekämpfungsmittel dafür zu entwickeln.
Offen für Zusammenarbeit
Ob mit Schulen oder jungen Biolandwirtinnen und Biolandwirten – das FiBL ist interessiert an Kooperationen zur Erstellung von Podcasts, Merkblättern und anderen Medienformaten. Interessierte melden sich bei Bernadette Oehen.
Weiterführende Informationen
Alle weiteren Gespräche zum Thema Jung und Bio:
«Ich finde interessant, was er mit der Vollweide rausholt»
«Mit der Fleischqualität dem Markt voraus sein»
«Interessant ist, dass der Betrieb neben der Knospe weitere Labels abdeckt»
«Ich hätte beim Öllein einige Striegeldurchgänge erwartet»
«Klar soll man die Kuh nicht zur Sau machen»
«Den Umweltaspekt von biologischen Pflanzenschutzmitteln finde ich wichtig und zukunftsträchtig»