Für das Thema «Jung und Bio» arbeitete das Bioaktuell Magazin mit den Berufsschulzentren Ebenrain in Sissach BL, Wallierhof in Riedholz SO und Liebegg in Gränichen AG zusammen. Dabei lag der Fokus auf den Vertiefungswochen «Schwerpunkt Biolandbau» im Januar und Februar 2025, in denen angehende Landwirtinnen und Landwirte einen Betrieb besuchten und danach in einem Gespräch ihre Eindrücke und Gedanken dokumentierten.
So beschäftigte sich zum Beispiel die Gruppenarbeit von Thomas Schreiber, Dominik Jegge und Josephine Spain mit der Stone Ranch von Stefan Schreiber in Wegenstetten AG. Das Thema: Vermarktungswege und Wertschöpfung von Biofleisch. Die Familie Schreiber betreibt einen Biobetrieb mit rund 60 Mutterkühen der Rasse Black Angus. Auch haben sie 30 Pensionspferde, welche in grossen Einzelboxen oder in einem Gruppenstall gehalten werden. Zum Betrieb gehört eine Gästebewirtung und ein Hofladen. Die Links zu den Gesprächen der anderen Gruppen finden sich am Ende dieser Seite.
Josephine Spain: Die Stone Ranch betreibt die Aufzucht und Aufmast ihrer Mutterkühe im Vollweidesystem. Einen Drittel der Fleischprodukte verkaufen sie über den Hofladen und über Events. Die anderen zwei Drittel werden als Zuchttiere verkauft oder kommen in entsprechende Kanäle als Bioweidebeef oder Swiss Black Angus. Interessant fand ich die kurzen Produktionswege und auch, wie sie mit Vollweide und Kraftfutterverzicht so gute Schlachterträge haben.
Dominik Jegge: Den grossen Anteil in der Direktvermarktung fand ich auch spannend. Welche Erfahrungen habt ihr schon selber gemacht mit dem Thema Vermarktung und Wertschöpfung bei Biorindfleisch?
Josephine Spain: Ich habe im ersten und dritten Lehrjahr auf Mutterkuhbetrieben gearbeitet, die ähnlich produziert haben wie die Stone Ranch. Nur eben nicht mit Vollweide. Mich erstaunt, wie man mit Vollweide eine Rasse wie Angus halten und ein gutes Schlachtgewicht erreichen kann. In dem sie auf mittelrahmige Kühe züchten, setzen die Tiere auch geringere Futtermengen gut um. Da gab es auf meinen Lehrbetrieben eine andere Meinung dazu.
Thomas Schreiber: Ich habe im ersten Lehrjahr auf einem Mutterkuhbetrieb mit Ausmast gearbeitet, danach aber auf Milchviehbetrieben. Mir fehlt da etwas die Erfahrung mit den Unterschieden der Produktionssysteme.
Dominik Jegge: Ich selber habe im zweiten Lehrjahr auf einem Rindermastbetrieb gearbeitet. Dort haben wir abgetränkte Kälber zugekauft, die dann ausgemästet und sie in die Schlachterei verkauft. Was fandet ihr auch noch spannend?
Josephine Spain: Den Ansatz, langfristig auf eine höhere Fleischqualität zu setzen, fand ich sehr interessant. Sie sind jetzt schon daran, den Anteil mit intramuskulärem Fett bei ihren Tieren zu erhöhen. Das ist für sie ein Merkmal höherer Qualität. Sie versuchen so, dem Markt etwas voraus zu sein, sodass sie in ein paar Jahren liefern können, sollte sich die Nachfrage in diese Richtung verstärken.
Thomas Schreiber: Positiv finde ich, dass die Tiere mit der Vollweide eine natürliche Umgebung vorfinden, die sich auch auf ihre Gesundheit auswirkt. Im Stall haben die Tiere viel Platz, es wird darauf geachtet, dass sie wenig Stress haben. Josephine, was wünschst du dir für dieses Thema in der Zukunft?
Josephine Spain: Also meine Vorstellung allgemein vom Rindfleischkonsum und auch von der Produktion ist, dass ich mir einen geringeren Konsum wünsche, dass die Konsumierenden aber mehr auf die Qualität schauen. Und dass Betriebe bessere Chancen haben, ihre Qualitätsprodukte mit hohem Stellenwert zu verkaufen und auch die Wertschätzung für ihr Produkt erhalten.
Thomas Schreiber: Ja, ich würde noch ergänzen, dass man die Landwirte und die Fleischproduktion in der Schweiz fördern soll und dass sich Schweizer Produkte auch für Konsumenten wieder rechnen. Ich wünsche mir weniger Import.
Offen für Zusammenarbeit
Ob mit Schulen oder jungen Biolandwirtinnen und Biolandwirten – das FiBL ist interessiert an Kooperationen zur Erstellung von Podcasts, Merkblättern und anderen Medienformaten. Interessierte melden sich bei Bernadette Oehen.
Weiterführende Informationen
Alle weiteren Gespräche zum Thema Jung und Bio:
«Ich finde interessant, was er mit der Vollweide rausholt»
«Interessant ist, dass der Betrieb neben der Knospe weitere Labels abdeckt»
«Ich hätte beim Öllein einige Striegeldurchgänge erwartet»
«Den Umweltaspekt von biologischen Pflanzenschutzmitteln finde ich wichtig und zukunftsträchtig»
«Sollten wir nicht intakte Ökosysteme erhalten, anstatt Schädlinge zu isolieren»