Für das Thema «Jung und Bio» arbeitete das Bioaktuell Magazin mit den Berufsschulzentren Ebenrain in Sissach BL, Wallierhof in Riedholz SO und Liebegg in Gränichen AG zusammen. Dabei lag der Fokus auf den Vertiefungswochen «Schwerpunkt Biolandbau» im Januar und Februar 2025, in denen angehende Landwirtinnen und Landwirte einen Betrieb besuchten und danach in einem Gespräch ihre Eindrücke und Gedanken dokumentierten.
Nathalie Flückiger, Jonas Steiner, Stefan Marti und Lara Wälty führte ihre Gruppenarbeit zum Tannenhof der Generationengemeinschaft von Hans, Käthi und David Metzger in Möhlin AG. Die Familie Metzger stellte den Tannenhof 2015 auf Bio um. Jonas Steiner befragt Nathalie Flückiger. Ihr Thema: Anbau der Spezialkultur Öllein. Die Links zu den Gesprächen der anderen Gruppen finden sich am Ende dieser Seite.
Was interessiert Dich am Anbau von Öllein?
Nathalie Flückiger: Es ist sicher eine sehr spannende Kultur, wenn man die Fruchtfolge anschaut. Sie ist mit keiner anderen Kultur, die man so kennt, direkt verwandt. Das hat Vorteile, was Krankheiten angeht. Sie ist sehr extensiv und braucht nicht viel Stickstoff. Man kann dem Boden wieder etwas Ruhe geben. Die Herausforderungen bei der Ernte sind sicher spannend. Die Fasern sind zäh, das Dreschen ist nicht ganz einfach und die Trocknung, Lagerung, Verarbeitung und die Vermarktung sind auch nicht ganz ohne.
Hast Du schon eigene Erfahrungen mit Öllein gemacht?
Wir haben uns zuhause auf dem Betrieb, der jetzt noch mein Vater führt, Gedanken gemacht, etwas Neues auszuprobieren. Ich bin schon vor einiger Zeit auf den Leinanbau gestossen, deshalb habe ich mich schon vorher damit befasst. Diesen Frühling haben wir vor, Öllein anzubauen. Die Kultur passt auch gut in unsere Fruchtfolge, wir haben vorwiegend Winterkulturen, vor allem Getreide. Mais ist bisher eigentlich die einzige Sommerkultur, der Lein bringt da noch etwas Abwechslung. Die Idee ist den Öllein, anders als David Metzger, der den Lein für Biofarm anbaut, selbst zu vermarkten. Dafür brauchen wir noch eine Ölpresse.
Spannend. Was hat dir beim Betriebsbesuch bei David Metzger besonders gefallen?
Überrascht war ich, dass er keine Unkrautbekämpfung macht, also nicht striegelt. Er schaut, dass er durch die richtigen Vorkulturen saubere Parzellen hinterlässt. Das sei fast das wichtigste. Ich hätte aber erwartet, dass man da einige Striegeldurchgänge machen muss im Bioanbau.
Würdest du bei deinem Anbau etwas anders machen?
Ich denke, ich würde vor allem in der Vermarktung anders vorgehen. Das Ziel wäre, die Wertschöpfung möglichst auf dem Betrieb zu behalten. Unser Betrieb ist nicht Bio und da gibt es kaum Absatzmöglichkeiten. Deshalb müssten wir den Lein sicher selbst verarbeiten und verkaufen. Ich denke, das sind die Hauptunterschiede.
Was findest du am Bioanbau am Beispiel von Öllein positiv?
Es ist eine sehr geeignete Kultur für Biobetriebe, genau darum, weil sie so extensiv und anspruchslos ist. Man muss auch praktisch nichts düngen, zu viel Stickstoff führt zu Lagerung, da die Pflanzen sehr fein sind. Und cool ist auch, dass die Kultur die Nützlinge fördert. Zum Beispiel der Sommerlein blüht im Juni und somit immer nach dem Raps. Die Blüte ist ausserdem auch einfach sehr schön anzuschauen.
Was meinst du, wieso sollen die Konsumentinnen und Konsumenten dann unbedingt Leinöl oder Leinsamen kaufen?
Es geht um den Aspekt einer gesunden Ernährung und heute ist ja das Bewusstsein dafür gross. Lein enthält viel essenzielle Fettsäuren, wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Der Anteil ist sehr viel höher als zum Beispiel beim Rapsöl oder beim Sonnenblumenöl. Das ist sicher ein sehr guter Punkt. Man müsste aber wohl noch besser aufzeigen, was man mit diesem Produkt alles machen kann. Wenn man den Geschmack gerne hat, dann finde ich, ist es eigentlich ein sehr großartiges Produkt, das man gut in der Küche einsetzen kann.
Offen für Zusammenarbeit
Ob mit Schulen oder jungen Biolandwirtinnen und Biolandwirten – das FiBL ist interessiert an Kooperationen zur Erstellung von Podcasts, Merkblättern und anderen Medienformaten. Interessierte melden sich bei Bernadette Oehen.
Weiterführende Informationen
Alle weiteren Gespräche zum Thema Jung und Bio:
«Ich finde interessant, was er mit der Vollweide rausholt»
«Mit der Fleischqualität dem Markt voraus sein»
«Interessant ist, dass der Betrieb neben der Knospe weitere Labels abdeckt»
«Klar soll man die Kuh nicht zur Sau machen»
«Den Umweltaspekt von biologischen Pflanzenschutzmitteln finde ich wichtig und zukunftsträchtig»
«Sollten wir nicht intakte Ökosysteme erhalten, anstatt Schädlinge zu isolieren»